Weihnachten weltweit: Wer bringt die Geschenke?

Weihnachten weltweit: Wer bringt die Geschenke?

Wenn sogar Helene Fischer leisere Töne anschlägt ist auch dem Letzten klar: Die besinnliche Vorweihnachtszeit hat begonnen. Doch zwischen Weihnachtsfeiern, Plätzchenbacken und Geschenkeshopping kommen Stille und Ruhe oft zu kurz.

Wäre es da nicht schön, einen Teil der Arbeit abzugeben? Zumindest bei den Weihnachtsgeschenken könnte das klappen: Schließlich gibt es dafür Profis wie den Weihnachtsmann. Der ist im Dezember aber natürlich auch nicht gerade unterbeschäftigt. Gut, dass er nicht der einzige Geschenkelieferant ist.

Ältere Herren, göttliche Babys, freundliche Hexen und eine Ziege: Die Bandbreite an traditionellen Geschenkebringern ist groß. Wir stellen heute 6 Profis der weihnachtlichen Gabenverteilung aus der ganzen Welt vor!

 

1. Bafana: Die freundliche Hexe aus Italien

In Italien besucht die Hexe Befana in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar jedes Haus. Eigentlich sucht sie nach dem Jesuskind. Doch wo sie schon mal da ist, verteilt sie an die italienischen Kinder auch gleich noch Geschenke – oder Bestrafungen: Die guten Kinder erhalten Süßigkeiten und Früchten, die bösen Kinder nur Kohle und Zwiebeln.

Als richtige Hexe fliegt Befana natürlich auf einem Besen durch die Nacht. Und weil sie obendrein eine sehr nette Hexe ist, fegt sie in jedem Haus auch noch den Boden. So säubert sie nicht nur das Haus, sondern fegt auch alle Probleme des letzten Jahres weg. Das Putzen ist aber vielleicht auch deshalb nötig, weil Befana meist durch den rußigen Kamin ins Haus kommt.

Als Belohnung für Geschenke und Geputze erhält Befana – typisch italienisch – ein Gläschen Wein und einen Teller mit Antipasti. Die besonders braven Kinder bedanken sich bei der Hexe Befana auch noch mit einem Lied:

 

2. Das Christkind: Gelockter Gabenbringer mit Heiligenschein

Das Christkind hat das Geschenkebringen fest im Griff in Süddeutschland, im Alpenraum sowie in Ungarn, Tschechien und Kroatien. Das Kind mit den blonden Locken und einem Heiligenschein bringt am Heiligabend die Geschenke und verschwindet wieder, ohne gesehen zu werden. Nur helles Glockenläuten kündet manchmal von seinem Besuch.

Ganz ausgelastet ist das Christkind mit dem Geschenkeverteilen aber offenbar nicht: Jedes Jahr eröffnet es auch noch den Nürnberger Christkindlesmarkt und tourt danach durch Franken von Weihnachtsfeier zu Adventsveranstaltung.

 

3. Nisse und Tomte: Die skandinavischen Kobolde

Jetzt wird es putzig: In den skandinavischen Ländern sind kleine Kobolde die traditionellen Überbringer von Geschenken an Weihnachten. Der Julenisse (Weihnachtskobold) ist nicht mal einen Meter groß, hat dafür aber einen langen weißen Bart und trägt eine spitze Mütze. Ein weihnachtlicher Gartenzwerg, wenn man so will.

Je nach Land tragen die Kobolde unterschiedliche Namen: In Norwegen und Dänemark heißen sie nisse, in Finnland tonttu und in Schweden tomte. Dank seiner enormen Stärke ist der Nisse das Rückgrat der weihnachtlichen Geschenke-Logistik in Skandinavien.

Die Kobolde sind übrigens nicht nur an Weihnachten aktiv: Die skandinavischen Legenden und Märchen sind voll mit ihnen. In den Geschichten reagieren die Knirpse schnell gereizt auf Unachtsamkeit, Unordnung und schlechtes Benehmen – und spielen den Bauern dann kleine Streiche.

 

Der Weihnachtsmann ist ein Gabenbringer an Weihnachten

4. Djed Moros: Väterchen Frost bringt die Geschenke in Russland

In Russland müssen die Kinder ein bisschen länger auf ihre Geschenke warten: Erst in der Neujahrsnacht verlässt Väterchen Frost seine Heimat tief in der Taiga und fährt mit seinem Schlitten los, um die russischen Kinder zu beschenken.

Djed Moros hat einen langen weißen Bart und trägt einen eisgrauen Pelzmantel. Auch ansonsten macht Väterchen Frost seinem Namen alle Ehre: Mit seinem magischen Zepter kann er alles, was er damit berührt, sofort gefrieren lassen. Als ob es zur Weihnachtszeit in Russland nicht schon eisig genug wäre!

Begleitet wird Väterchen Frost von seiner Enkelin Snegurotschka. Auch hier bleibt es eisig, denn auf Deutsch bedeutet ihr Name so viel wie Schneeflöckchen. Gemeinsam verteilen sie in Russland, Weißrussland und Teilen der Ukraine jedes Jahr die Geschenke.

 

5. Jólasveinar: Die isländischen Weihnachtsgesellen

Auf Island herrscht Job-Sharing beim Geschenkebringen: Gleich 13 Gesellen teilen sich die Aufgabe, die isländischen Kinder entweder mit Geschenken zu belohnen oder kleine Bestrafungen zu verteilen. Die Jólesveinar sind raue Gesellen: Ihre Mutter, die Hexe Gryla, war eine Menschenfresserin.

In den 13 Nächten vor Weihnachten kommt jeweils ein Jólasveinar aus den Bergen zu den Menschen. Am Heiligabend sind dann alle Gesellen zum Weihnachtsfest versammelt. Danach geht wieder täglich einer zurück bis am Fest der Heiligen Drei Könige alle verschwunden sind.

Das Erscheinen der Jólesveinar gliedert auf Island die Weihnachtszeit. Deshalb haben Adventskalender auf Island auch keine 24 Türchen, sondern 13. Eins für jeden Weihnachtsgesellen. Auch eine Weihnachtskatze gibt es auf Island. Sie heißt jólakötturinn und frisst faule Inselbewohner, die noch nicht die ganze Wolle aus dem Herbst verarbeitet haben.

 

Gabenbringer an Weihnachten ist in Finnland der Julbock

6. Julbock: Der finnische Weihnachtsbock bringt Geschenke

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts  war der Julbock in Skandinavien der einzige Gabenbringer. Heutzutage fristet er jedoch meist nur noch ein Dasein als weihnachtlicher Nebendarsteller in Form von Weihnachtsschmuck aus Stroh. Der amerikanische Weihnachtsmann hat ihm in vielen Familien den Rang als Geschenkelieferant Nummer 1 abgelaufen. Zumindest in Finnland kann sich der Weihnachtsbock bisher behaupten.

Dabei hat das Brauchtum rund um den Julbock eine sehr lange Tradition: Junge Männer verkleideten sich früher als furchteinflössende Böcke und erschreckten die Kinder mit ihrem wilden Auftreten. Erst ein Geschenk wie Obst konnte die Julböcke besänftigen. Mit der Zeit wurde es dann Sitte, dass ein Familienmitglied sich an Weihnachten als Julbock verkleidete und Geschenke an die Verwandten verteilt. So wurde der Julbock zum Gabenbringer.

Wenn schon nicht als Geschenkebringer, so ist der Julbock zumindest als Strohfigur heute präsenter als jemals zuvor. Seit 1966 wird in der schwedischen Stadt Gävle ein gigantischer Weihnachtsbock aus Stroh aufgestellt. Die Strohfigur auf dem Schlossplatz ist sagenhafte 13 Meter hoch und 3,5 Tonnen schwer.