Man lernt nie aus!

Man lernt nie aus!

Sprache – das ist ein Phänomen, das sich immer ändert und weiterentwickelt. Daher ist es für Dolmetscher und Übersetzer sehr wichtig, ihr Wissen ständig aufrechtzuerhalten und sich weiterzubilden. Dies gilt zum einen für die Sprache an sich als auch für alle anderen Gegebenheiten am Markt der Sprachdienstleister. So müssen Linguisten immer auf dem neuesten Stand der Technik sein. Übersetzer sollten Kenntnisse in den neuesten Übersetzungstools, wie z. B. Memsource, haben und Dolmetscher sollten sich mit den am Markt aktuellen technischen Hilfsmitteln, wie z. B. einer Flüsteranlage, auskennen.
Darüber hinaus spielt die persönliche Weiterentwicklung ebenfalls eine wichtige Rolle. Vor allem als Freiberufler sollte man als Berufseinsteiger informiert sein, wie man mit Auftraggebern verhandelt und was als Freiberufler alles beachtet werden muss. Vielleicht möchte der eine oder andere auch seine Fähigkeiten weiter ausbauen und sich als Untertitler spezialisieren oder als Schriftdolmetscher arbeiten. Schriftdolmetscher sind Dolmetscher, die das gesprochene Wort, vor allem für Hörgeschädigte, verschriftlichen. Auch hierzu gibt es Weiterbildungsmöglichkeiten.

In Deutschland bieten viele Institute diverse Trainings und Seminare zur Weiterbildung von Linguisten an.
Hier möchten wir Ihnen einen kleinen Einblick über verschiedene Institutionen geben, die spannende Weiterbildungsangebote anbieten sowie Tätigkeiten aufzeigen, die für Sprachdienstleister von Interesse sein könnten.

Das SDI (Sprachen- und Dolmetscher-Institut) – eine Hochschule für angewandte Sprachen in München – hat z. B. ein großes Angebot an Weiterbildungsmöglichkeiten. So gibt es Seminare zu Untertitelung, Film & Übersetzung, Schriftdolmetschen, interkulturelle Programme oder auch Möglichkeiten zum E-Learning.

Der BDÜ bietet seinen Mitgliedern ebenfalls ein breitgefächertes Angebot an Seminaren zur Weiterbildung an. Themen wie Projektmanagement, Marketing, Selbstmanagement, Preisverhandlungen, Transkreation oder auch Stimmtraining stehen in den nächsten Monaten auf dem Programm.
Außerdem können Sprachdienstleister beim BDÜ, die gerade neu in das Berufsleben starten, ein Mentoring-Programm nutzen, wobei jedem Mentee ein eigener Mentor zur Verfügung steht, der ihm bei allen Fragen rund um den Beruf zur Seite steht.

Bei der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften in der Schweiz haben Übersetzer und Dolmetscher die Möglichkeit, zum Thema angewandte Linguistik diverse Lehrgänge zu besuchen.
Unter anderem kann ein Kurs zur Sprachtechnologie, wie z. B. zu CAT-Tools besucht werden. In diesem Kurs werden verschiedene CAT-Tools vorgestellt und die Bearbeitung verschiedener Projekte mit den entsprechenden Werkzeugen erlernt, sodass Teilnehmer die Hilfsmittel am Ende kritisch evaluieren können.

Der Beruf des staatlich geprüften Untertitlers ist in den USA, England, Frankreich und Italien schon weitverbreitet, in Deutschland aber noch nicht so bekannt. Ab April finden hierzu in Hamburg und Berlin zweijährige Umschulungen statt. Die sogenannten Simultanstenographen können nach abgeschlossenem Berufsabschluss für Hörgeschädigte, als Gerichtsstenograf, bei Konferenzen in Wirtschaft und Politik oder bei Film und Fernsehen arbeiten. In Deutschland gibt es 14 Millionen Hörgeschädigte, denen derzeit nur zwanzig Simultanstenografen zur Verfügung stehen. Dies funktioniert mit einer speziellen Software, dank derer ein Hörgeschädigter das Gesprochene auf einem Notebook mitlesen kann und somit auch aktiv an Diskussionen teilnehmen kann. Geübte Untertitler können bis zu 1300 Anschläge pro Minute erreichen, sodass das Gesprochene zeitgleich auf Monitoren, Leinwänden oder im Internet gelesen werden kann.

Auch die Freie Universität Berlin bietet z. B. einen Kurs zur Einführung im Fachbereich Transkription an. Dabei lernen Teilnehmer, wie Interviews regelgeleitet verschriftlicht werden und wie Aufnahmen mit Transkripten synchronisiert werden. Zudem wird der Ablauf einer qualitativen Inhaltsanalyse sowie der Aufbau eines differenzierten Codesystems behandelt. Andere Inhalte sind die Nutzung von Memos als Werkzeug für Interpretationsansätze, CaseSummarys, Ankerbeispiele, Definitionen und Theorieideen.

Die oben genannten Angebote sind nur eine geringe Auswahl an Weiterbildungsmaßnahmen für Sprachdienstleister, um Ihnen einen Einblick zu geben, welche Möglichkeiten der Weiterbildungsmarkt für Dolmetscher und Übersetzer bereithält.

Die erwähnten Institutionen sind gute Anlaufstellen, um sich ein Bild über verschiedene Angebote zu machen.
Natürlich sind die Bedürfnisse an Weiterbildungen bei den einzelnen Übersetzern und Dolmetschern sehr individuell, sodass oft sehr gezielt nach speziellen Angeboten gesucht werden muss.