Falsche Freunde sind besser als gar keine Freunde

Falsche Freunde sind besser als gar keine Freunde

Das Erlernen einer neuen Sprache, einer fremden Sprache, ist eine gänzlich widersprüchliche Erfahrung. Es ist ein steiniger Weg vom ersten Üben einfacher Alltagsbegriffe bis hin zum Konstruieren eigener Sätze. Man reiht Wort für Wort aneinander in der Hoffnung, die mitleidenden Schulkameraden erraten mit viel Wohlwollen den Inhalt, der sich dann nicht selten um das Führen eines PKW dreht oder einfach nur um das Vorstellen der eigenen Person. In der schweren Anfangszeit des Lernens, die mit sprachlichen Stolperfallen gespickt ist, sucht man nach Halt in der neuen Umgebung. Halt wie ihn nur echte Freunde bieten können…

Mit den wichtigsten Vokabeln im Repertoire (Bleistift, Hose, Fahrrad) schöpft man Mut und wagt sich in die schöne neue Welt der fremden Sprache. Auf einmal scheint das anfangs Unmögliche möglich, erste Sätze setzen sich fast wie von Zauberhand im eigenen Kopf zusammen. Spätestens an diesem Punkt in der Lernkurve trifft man auf sie. Man lernt sich kennen und schließt bald Freundschaft. Sie erleichtern dem Lernenden das Leben und sind immer zur Stelle, wenn man bei Konstruieren neuer Sätzen einmal nicht weiter weiß.  Freunde eben.

Fröhlich baut man die der eigenen Sprache so ähnlich klingenden Vokabeln in seine sogenannten Sätze ein. Frei nach dem Motto: No brain – no pain.

Wie im wahren Leben ist der Schmerz groß, wenn man erfährt, dass man schamlos hintergangen wurde. Die sogenannten Freunde waren in Wirklichkeit keine Freunde. Aber wer kann schon ahnen, dass 1 billlon exakt um das 1000-fache größer ist als 1 Billion. Ein brief zwar kurz sein kann aber noch lange kein förmlicher Schrieb. Die falschen Freunde sind jedoch nicht nur angelsächsischer Herkunft: Die deutsche Manneskraft, die Potenz ist bei unseren Nachbarn jenseits des Rheins gar der Galgen (fr potence). Der falsche französische Freund der Rakete ist der Tennisschläger (fr. raquette).

Was lernen wir daraus? Wie im wahren Leben stellt sich erst nach eingehender Prüfung heraus, wer die echten Freunde sind und wer die falschen. Das soll den Spaß –  das ist es in der Tat – am Lernen neuer Sprachen nicht mindern.