Traumberuf Übersetzer?

Traumberuf Übersetzer?

Kreativität, Unabhängigkeit und die freie Wahl des Arbeitsortes sind die wahrscheinlich überzeugendsten Argumente, wenn man sich vor seinen Freunden für den eingeschlagenen Berufsweg rechtfertigt. Doch was bleibt am Ende eines langen und anstrengenden Tages am eigenen, steuerlich geltend gemachten Schreibtisch übrig, wenn man spät abends den Laptop zuklappt? Hält der Traumberuf Übersetzer das, was er verspricht oder reibt man sich gar auf an den Begleiterscheinungen?

Der goldene Weg?

Liest man die Beschreibungen des Berufs ‚Übersetzer‘ auf Institut-Websites, erfährt man schnell, dass die zunehmende Globalisierung eine hohe Nachfrage nach qualifizierten Sprachmittlern mit entsprechenden Fachkenntnissen erzeugt. Die Qualifikation lässt sich auf verschiedenen Wegen erwerben. Den klassischen Weg im deutschen Bildungsdschungel gibt es nicht. Viele entscheiden sich für eine Ausbildung zum staatlich geprüften Übersetzer und Dolmetscher, wie sie viele private und staatliche Bildungseinrichtungen anbieten. In zwei bis drei intensiven Jahren vertieft man seine Fremdsprachenkenntnisse und erwirbt Wissen in mindestens einem Fachgebiet. Einige Universitäten und Fachhochschulen bieten Bachelor- und Masterabschlüsse der Translation an, wobei hier fachtheoretische und literaturwissenschaftliche Inhalte im Vordergrund stehen.

Nicht wenige übersetzen „professionell“ ganz ohne Nachweis. Dies liegt in erster Linie daran, dass die Berufsbezeichnung „Übersetzer“ juristisch nicht geschützt ist. Um jedoch dauerhaft vom Übersetzen leben zu können, ist Praxiserfahrung unerlässlich.

Anspruchsvoll und befriedigend

Die Freude am Schreiben von Texten, das schnelle Erfassen von Inhalten und die Fähigkeit, logische Zusammenhänge zu identifizieren, machen einen guten Übersetzer aus. Beim Übersetzen löst sich der Sprachmittler gekonnt von Ausgangstext und innerhalb von Sekundenbruchteilen setzt sich im Kopf Wort für Wort ein Satz in der Zielsprache zusammen. Es ist ein befriedigendes Gefühl, Lösungen zu finden. Immer wieder. Satz für Satz. Übersetzen macht Spaß, die Arbeit mit schwierigen Texten ist fordernd und man kann mit Fug und Recht behaupten, es sei eine sinnvolle Tätigkeit. Übersetzungen schließen Gräben, öffnen Türen und ermöglichen interkulturellen Austausch.

Agenturen: Fluch und Segen zugleich

Für die meisten Übersetzer besteht der Alltag nur zu einem gewissen Teil aus der reinen Arbeit an Texten und Dokumenten. Schließlich braucht es Kunden, die bereit sind, für Übersetzungen zu bezahlen. Nur die wenigsten schlagen sich alleine mit einer Handvoll Stammkunden durch. Im Regelfall entscheiden sich Übersetzer für die Zusammenarbeit mit einer Agentur. Sie sorgt für Aufträge und die Abwicklung der Übersetzungsaufträge. Eigentlich die ideale Arbeitsteilung, wäre nicht am Ende das Ungleichgewicht zu Gunsten der Agentur. Dem Übersetzer bleibt bei gängigen Sprachkombinationen oft nichts anderes übrig, als die Vorgaben zu akzeptieren. Anders sieht es bei seltenen und dennoch gefragten Sprachen aus: Hier gibt der Übersetzer die Richtung vor.

Viele Übersetzer ächzen ob der höheren Belastung und der geringen Entlohnung. Jedoch muss man sich darüber im Klaren sein, dass das Geschäft mit Übersetzungen den Mechanismen des Marktes folgt.

Wenn andere schwitzend in überfüllten U-Bahnen stehen oder im Berufsverkehr festsitzen, kann man lächelnd seinen PC hochfahren und zu arbeiten beginnen. Oder auch mal die Arbeit ruhen lassen und spontan wegfahren. Denn Übersetzen ist doch ein Traumberuf.