Spurensuche: Was sind Plansprachen?

Spurensuche: Was sind Plansprachen?

Von Esperanto haben wohl die meisten von uns schon mal gehört. Aber was ist das eigentlich? Und wofür werden Esperanto und andere Plansprachen eigentlich benötigt? Eine Spurensuche.

Definition

Plansprachen sind geplante Sprachen. So weit so gut. Im Gegensatz zu natürlichen Sprachen, also Deutsch, Englisch, Wolof oder was auch immer, wurden diese Sprachen auf dem Papier entworfen und haben sich nicht natürlich in den letzten (paar Millionen) Jahren entwickelt.
Aber so ganz unterscheiden sie sich dennoch nicht von den natürlichen Sprachen. Häufig bilden eine oder mehrere natürliche Sprachen den Grundstock für eine geplante Sprache. Die einfachsten Aspekte aus den natürlichen Sprachen werden rausgepickt – Grammatik adé – und schon hat man eine Plansprache. Na ja, ganz so einfach ist es natürlich nicht. 😉

Das Ziel dieser künstlichen Sprachen ist es, internationale Kommunikation einfacher zu machen. Plansprachen sollen leicht erlernbar sein – für jedermann. Jeder soll also in der Lage sein, die neue Sprache schnell zu lernen und schon soll man sich weltweit damit unterhalten können.
Fun Fact: Auch bei künstlich geschaffenen Literatur-Sprachen wie Sindarin oder Quenya aus der Fantasiewelt des J.R.R. Tolkien wird häufig von Plansprachen gesprochen.

Heute existieren neben etwa 500 echten Plansprachen (Österreichische Nationalbibliothek) auch zahlreiche Semiplansprachen, die noch nicht ausgereift sind oder sich noch im Planstadium befinden.

Geschichte der Plansprachen

Als erste echte Plansprache gilt das so genannte Solresol, welches 1817 vom Franzosen François Sudre entwickelt wurde. Solresol basiert auf den Tönen einer Oktave – also auf Musik! Wie das funktionieren soll, können wir nur mutmaßen. Die Sprache hat eine recht komplizierte Grammatik und hat sich deswegen nie wirklich etabliert – Englisch war dann vielleicht doch die einfachere Alternative.

Noch eine weitere Plansprache mit lustigem Namen: Volapük. Dabei wurden Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Russisch gemischt. Aber auch Volapük konnte sich nicht so recht verbreiten, auch wenn sich einige Sprecher fanden. Die Sprache war zu kompliziert, steckte noch in den Kinderschuhen und war zu wenig verbreitet, um als Kommunikationssprache zu dienen.

Den Durchbruch der Plansprachen brachte dann schließlich 1887 der Augenarzt Ludwik Lejzer Zamenhof. Dieser mischte ein paar europäische Sprachen mit ein paar Regeln et volià:

Esperanto

Einheitlich, simpel, klare Grammatik-Regeln – Esperanto erlebte innerhalb weniger Monate einen steilen Aufstieg. Einflüsse vieler verschiedener, vor allem europäischer Sprachen sind klar erkennbar. Die unveränderlichen Stammworte können mittels Agglutinierung verschiedener Suffixe flektiert, erweitert und spezifiziert werden. Hier mal ein Satzbeispiel:

Ĉiuj homoj estas denaske liberaj kaj egalaj laŭ digno kaj rajtoj. Ili posedas racion kaj konsciencon, kaj devus konduti unu al la alia en spirito de frateco.

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 1

Easy, oder? Na ja, ein bisschen Lernerei muss wohl doch sein. Einfach mal im Buchhändler des Vertrauens nach einem Esperanto-Buch fragen. 🙂 Esperanto ist die am meisten gesprochene Plansprache der Welt, jedes Jahr gibt es mehrere Konvente, die Anzahl Sprecher wird im fünf- bis sechsstelligen Bereich vermutet. Gehören Sie ebenfalls (bald) dazu?